Annäherungen an die Johannespassion

Wenn dieses grossartige Werk im März bei uns wieder auf dem Programm steht, geschieht dies zum 4 ½. Mal. Ja, richtig gelesen: 2005 musizierten wir eine gewagte Kombination aus Teilen der Bachschen Passion mit der Johannespassion von Alessandro Scarlatti, um dann ein Jahr später das ganze Werk von Bach aufzuführen. Seit diesem Datum sind die Aufführungsintervalle regelmässig: 2009, 2013 und jetzt 2017. Dahinter steht die klare Absicht des Repertoiregedankens.

Dass in dieser Zeitspanne die Annäherung an das komplexe Werk immer wieder neu beginnt, versteht sich von selbst. Und der Lohn ist gross: immer wieder tauchen neue Erkenntnisse auf.

Eine davon sei hier heraus geschält: Im Turbae-Chor „Wäre dieser nicht ein Übeltäter“ ist die Chromatik überdeutlich gezeichnet und nicht zu überhören. Wenig später in „wir dürfen niemand töten“ taucht dieselbe Chromatik wieder ohrenfällig zum Wort „töten“ auf.

Bach nimmt also persönlich Stellung, d.h. wer tötet, macht sich selbst zum Übeltäter. Faszinierend ist dieser kompositorische Ansatz!

Die Johannespassion ist reich an musikalischen Symbolen. Allein dieser Aspekt würde mühelos ein stündiges Referat füllen. Hier fehlt der Platz zum Ausschweifen, ein paar Beispiele mögen für diesen Reichtum genügen.

Ein Kreuzmotiv ist per se hörbar, noch mehr aber sichtbar in den geschriebenen Noten: Wenn bei vier aufeinander folgenden Noten die erste mit der vierten und die beiden mittleren miteinander verbunden werden, entsteht ein (Andreas-) Kreuz.

Solche Kreuzmotive sind in der Johannespassion fast omnipräsent. Besonders eindrücklich ist die Rezitativ-Stelle „welchen Todes er sterben würde“: In Kleinstbesetzung (Evangelist mit Continuo) wird innerhalb eines Taktes alles gesagt. Das Kreuzmotiv ist im Bass, aufwühlende Akkorde und Seufzerfiguren in der Singstimme sind zu hören.

Der Takt endet mit einem Schlussakkord in C-Dur. Also: Der Kreuzestod führt  zur Auferstehung.

Details sind auch in vielen Chorälen aufzuspüren.

Einer sei hier stellvertretend erwähnt. „Christus, der uns selig macht“ zeichnet mit seinen affektgeladenen Harmonien den Text ab und greift im Stil weit voraus.

In den letzten beiden Takten bedient sich Bach eines alten Stilmittels, die musikalischen Wendungen und Stimmführungen könnten von Palestrina stammen.

Der Text dort lautet: „Wie denn die Schrift saget“.

Diese wenigen Bespiele legen beredtes Zeugnis ab: Sich der Bachschen Partitur immer wieder von neuem anzunähern ist eine einzige Bereicherung!

Franz Schaffner

Das ist Bach: vielschichtig, tiefgründig und vieles mehr

Luzia Küchler spielt im Orchester Violine und schildert uns hier ihr Gedanken zum bevorstehenden Konzert:

Bald ist es wieder soweit. Unser erstes Konzert in diesem Jahr, in welchem die Johannes Passion von Johann Sebastian Bach erklingen wird, steht vor der Tür. Die Noten sind schon vor einiger Zeit eingetroffen und ich übe abwechselnd zuhause und in den Pausen zwischen den Lektionen an den Musikschulen, wo ich Violine unterrichte.

Bereits die ersten Töne des Eingangschores vergegenwärtigen mir die Stimmung dieses grandiosen Werks. „Herr unser Herrscher!“ – das müsste doch eigentlich anders klingen. Diese schleichenden Sechszehntel stellen nicht Glanz und Herrlichkeit dar, vielmehr vermitteln sie das mulmige Gefühl, dass hier etwas Ungeheuerliches im Anzug ist. Das ist Bach: vielschichtig, tiefgründig und vieles mehr.

In dieser Passion treten die Gegensätze besonders stark hervor. Die mörderischen Rufe der aufgewiegelten Menge und die Hetze der Hohepriestern, welche in hohen Stimmlagen ertönen, bilden einen klaren Kontrast zu der tiefen, ruhigen Stimme von Jesus, die seine Erhabenheit über dieses menschliche Gezänke hervorhebt. Die aufwühlende Erzählung des Evangelisten wird von besinnlichen und beschaulichen Arien und Chorälen abgelöst. Der Chor hat dabei die anspruchsvolle Aufgabe, mal aggressiv, mal einfühlend zu agieren.

In der Arie „Es ist vollbracht“ wird der Sieg über den Tod und die Auferstehung sowohl in Wort wie in der Musik angekündigt. Der Schlusschoral weist tröstlich ins Jenseits.

Ich freue mich schon auf den Samstag, an dem alle Streicher zur ersten gemeinsamen Probe zusammenkommen. Franz Schaffner arbeitet sehr konzentriert und effizient. Bei allem Feilen und aller Sorgfalt verliert er sich nie in Details. Mit klarem Blick auf das Wesentliche wählt er die Schwerpunkte der Probearbeit und behält dabei das Ganze im Auge.

Doch gelegentlich, nach intensivem Üben, ruhen die Instrumente. Das ist der Moment in dem Franz uns einige Einblicke in die Zahlensymbolik des soeben geprobten Bach Werkes gewährt. Er kann meistens nur einen kleinen Teil dieser Beispiele erläutern, da diese Musik voll von solchen verschlüsselten Botschaften ist. Das lässt uns immer wieder von Neuem staunen, und vermittelt ein vertieftes Verständnis für diese unglaublich genialen Werke.

Alle Mitwirkenden verbindet eine grosse Liebe zu dieser wunderbaren Musik. Ich sehe so viel Engagement von allen Seiten und bin überzeugt, dass jeder hier sein Bestes gibt. Vom Üben bis zum letzten Ton der Aufführung findet eine grosse Steigerung statt.

Franz versteht es in einzigartiger Weise die Spannung zu halten, so dass sich auch das Publikum dem Bann der Musik nicht zu entziehen vermag. Ich erlebe die Zuhörer immer sehr aufmerksam,- ja andächtig. Der innigste Moment aber ist die Stille, wenn der letzte Akkord verklungen ist. Hier sammelt sich noch einmal die ganze Kraft im Inneren, bis der Dirigent die Arme senkt und der Applaus beginnt.

Für all die beglückenden Momente, die ich mit dem Bach Ensemble erleben durfte und hoffentlich noch darf, erfüllt mich grosse Dankbarkeit!

 

 

 

 

 

Die Kunst des Erzählens oder was Buckelwale mit der Johannespassion zu tun haben

Ein Gastbeitrag von Hans-Jürg Rickenbacher, der als Evangelist im Rahmen der Johannespassion zu hören ist:

 

Ein Erzähler hat viele gestalterischen Möglichkeiten, eine Geschichte spannend, überraschend und packend darzustellen, wenn seine Zuhörinnen und Zuhörer ihren Inhalt noch nicht kennen und neugierig auf den Plot sind. Wie erzähle ich nun als Evangelist eine Geschichte, die alle bereits kennen, niemand deswegen ins Konzert gekommen ist sondern eher wegen der Musik, dem Chor, dem Ensemble, dem Orchester, den Chören und Arien und sicher nicht wegen dem sattsam bekannten Bericht einer römischen Hinrichtung vor 2017 Jahren? Diese Aufgabe könnte leichter sein und ich beginne zuerst im Tierreich:

„Der Gesang der Buckelwale ist eine geordnete Sequenz von vielen Lauten, die im Hörbereich des Menschen liegt. Ein Lied besteht aus Serien von bis zu 15 Minuten langen Phrasen. Der männliche Buckelwal singt nur während der Reproduktionszeit. Der Gesang signalisiert den anderen Walen seine Gesundheit und seinen Zeugungswillen. Die Gesänge der Buckelwale werden unter Wasser von den anderen Walen auf eine Distanz von 50 bis 100 km gehört.

Ausser den Gesängen der Männchen können alle Wale „soziale Geräusche“ von sich geben wie: Schnarchen, Husten, Quieken, Poltern und Trompeten. Wale haben keine eigentlichen Stimmbänder. Sie produzieren Geräusche indem sie Luft mit Druck durch kleine Säcke des Atemapparates pressen. Buckelwale benützen visuelle Signale für die Kommunikation auf kurze Distanz und akustische für grosse Entfernungen.“

Diese gesangtechnischen Superlative beeindrucken nebst vielen anderen Informationen die Besucher des Freiluft-Walmuseums in Puerto Lopez an Ecuadors Pazifikküste. Obschon etliche Opernarien durchaus von „Gesundheit und Zeugungswillen“ berichten, verneigt sich der menschliche Sänger angesichts fünfzehnminütiger Phrasen und einem bis zu 100 km weiten Hörbereich bescheiden vor dem männlichen Buckelwal. Auch wir überbrücken heute grössere Distanzen „akustisch“ mittels Telefon und für ein Konzert fliegen wir ab und an auch mal interkontinental doch die Wale schaffen dies alles ohne Hilfsmittel, sogar ohne Stimmbänder (!)  und schwimmen dabei alljährlich von den Polarmeeren bis in aequatoriale Gewässer in ihre Reproduktionsgebiete und wieder zurück – einfach so.

Vor 50 Millionen Jahren entwickeln sich die Wale aus den Mesonychia, einer Gruppe fleischfressender Paarhufer, denen das heutige Flusspferd am nächsten verwandt ist, und werden zu Meeresbewohnern.

Mit einigem zeitlichen Abstand fängt der Homo sapiens vor rund 200 000 Jahren an, Musik und Sprache zu entwickeln. Letztere bringt ihm durch ihre Informationsmöglichkeit entscheidende Vorteile gegenüber den körperlich in fast Allem überlegenen Tieren.

Und die Musik, was bringt die Musik eigentlich? Hätte Sprache nicht bereits ausgereicht zum Überleben und zur Überlegenheit ? War Musik nicht von Anfang an eigentlich überflüssig?

Steven Mithen schreibt in seinem Buch „The singing Neanderthals – the origin of Music, Language, Mind and Body“, dass Gesang per se nichts Weiteres sei als ein Bewegungsprodukt der verschiedenen Teile des Atemapparats vom Zwerchfell bis zu den Lippen. Ein „Organ-Tanz“ also und weiter hätten Sprache und Musik drei Ausdrucksarten gemeinsam: die Vokalisierung in Sprache und Gesang, die Gestik in Gebärde und Tanz sowie die Schrift in Wort und Musiknotation. Beide Bereiche entwickelten eine differenzierte Symbolik, wobei die Sprache all ihre Zeichen in Sinn und konkrete Information ausprägte und die Musik eine eigentliche Gegenwelt dazu schuf, indem sie gerade nicht konkrete Information verschlüsselt sondern „abstrakt“ alles transportiert, was wir in sie hineinlegen.

Die einfache Tatsache, dass verschiedene Sprachen ineinander „übersetzbar“ sind, bei Musik hingegen weder Übersetzungen in verschiedene Stile nötig noch sinnvoll sind, weil ja gerade der Stil, die Epoche, die Gattung etc. jeweils ihr Wesen ausmacht, zeigt, dass Sprache sehr wohl „Musik“ braucht, um transportiert werden zu können, die Musik aber ganz gut ohne Sprache zurecht kommt. Das bedeutet auch, dass Musik älter und ursprünglicher ist, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass zuerst Begriffe entstanden sind und anschliessend Emotionen hinzukamen.

Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten, dass die Musik unsere verloren gegangene Körperlichkeit sublimiert und  bewahrt hat. Wenn die Sprache unsere Kommunikation in ein geniales System von Symbolen hineingiessen konnte, dann machte die Musik Vokalisierung, Gestik und Schrift „ohne Sinn“ transportfähig; eine „Metakommunikation“, die ohne Wortlast und Sinnbalast tanzen, fliegen und singen kann.

Und nun wieder zurück zu Bach, zur Johannespassion und zum Evangelisten mit seinem allseits bekannten Thema: Johann Sebastian Bach komponiert in alle Rezitative einen Subtext hinein, interpretiert den nicht als dramaturgisch durchdachtes Libretto verfasstenText auf sehr persönliche Weise: hochbarock-kontrastreich, expressiv und subtil ausgewogen. In diese „fertige Inszenierung“ begebe ich mich als Evangelist mit dem Continuo zusammen hinein und kann nun wieder frei gestalten, wie ein Schauspieler, der einen bekannten Monolog zum erneuten Male und immer wieder neu darstellen kann.

Mit dem Bach Ensemble Luzern ist dies ein besonderes Vergnügen, denn hier wird hochprofessionell geprobt, effizient gearbeitet und subtil musiziert. Mit diesem Hintergrund bekommt ein Evangelist in einer Aufführung mit Franz Schaffners Bach Ensemble wiederum viele gestalterischen Möglichkeiten, seine Geschichte spannend, überraschend und packend darzustellen – lassen Sie sich überraschen!

 

Bach? Vivaldi? Händel? – Gastbeitrag von Chorsänger Theo Känzig

Eigentlich egal! Jedes dieser Musikstücke, das von diesen und anderen grossen Komponisten aus der Barockzeit geschrieben wurde, sind ein grosses Wunder. Und diese Wunder werden von Franz Schaffner in seinem Bach-Ensemble Luzern, zusammen mit Chor, Orchester sowie namhaften Solisten den Zuhörern in der Franziskanerkirche oder dem KKL nahe gebracht.

Dieser Chor ist für mich aber ebenfalls ein kleines Wunder. Maximal 4 bis 5 Proben von 1 ½ Stunden müssen genügen (damit Hausaufgaben inklusive), unbekümmert um die Länge und Schwierigkeit des Werkes. Und genau dies fasziniert mich. Denn nach Jahrzehntelangem Singen in grossen Chören als Chorsänger und gelegentlichen solistischen Auftritten kann man ohne diese Musik kaum mehr leben!

So bewarb ich mich im Bach-Ensemble Luzern. Rund 50 Sängerinnen und Sänger bestreiten diese Konzerte, wobei Franz streng darauf achtet, dass alle Stimmen zahlenmässig gleich stark sind. Man spürt dabei in den Proben bei den Teilnehmern eine grosse Begeisterung, aber auch verantwortungsbewusstes Singen.

Unser Dirigent Franz Schaffner ist kein Mann der grossen Worte, dafür der Taten. Einmal gesagt, und der Chor kapiert’s. An der ersten Probe prüft er, ob die Hausaufgaben gemacht wurden, an den übrigen wird gefeilt und der Chor macht sich mit seiner Interpretation vertraut.

Ich bemerkte bald, dass man hier wie in eine Familie integriert wird, und dies führt dazu, dass man sich wohl fühlen kann, aber auch Stolz sein darf, dazu zu gehören. Zwar wohne ich am Zürichsee, die Reise nach Luzern lohnt sich aber jederzeit.

Nun steht das Weihnachtskonzert vor der Tür mit Werken von J.S.Bach und Vivaldi, und die Probe mit dem Orchester war für uns wiederum fast ein „Hit“. Im Konzert kommen noch 2 Violinkonzerte dazu, interpretiert vom Luzerner Daniel Dodds, welche der Chor ebenso geniessen darf wie die Konzertbesucher.

Für mich aber besteht der Wunsch, noch lange in diesem wunderbaren Ensemble mitwirken zu dürfen. Und ich hoffe, diese Musik gehe allen Konzertbesuchern ebenso zu Herzen wie uns Chorsängern.

Theo Känzig

Gastbeitrag der Solistin Barbara Erni: Musik voller Energie und Glanz

Im diesjährigen Weihnachtskonzert im KKL werden unter anderem die beiden berühmten Werke „Gloria“ von Antonio Vivaldi und „Magnificat“ von Johannn Sebastian Bach erklingen. Schon seit Jahren begleiten mich diese beiden wunderbaren Werke auf meinem Weg als Sängerin. Ich erinnere mich zum Beispiel an meinen ersten solistischen Einsatz in Vivaldi’s Gloria, damals noch als angehende Primarlehrerin, zusammen mit dem Gymnasiumschor. Bereits damals und auch heute noch übt dieses Werk mit seiner speziellen Energie eine grosse Faszination auf mich aus.

Auch meine ersten Erinnerungen an Bachs Magnificat reichen zurück in die Anfangszeit meines Gesangsstudiums. Es war eines der ersten Bach-Werke, welches ich einstudieren konnte. Und ich weiss auch noch, dass ich nicht so recht wusste, was ich mit dieser Musik anfangen sollte. Es war einerseits faszinierend, andererseits… ein schwieriger Knochenjob… So richtig wohl fühlte ich mich lange nicht und es war mir bewusst, dass man in diese Arien „hineinwachsen“ muss. Erst als ich sie mit der Altistin Ingeborg Danz zusammen erarbeiten, ja „erobern“ durfte, eröffnete sich mir der Zauber dieser Musik. Ich liebe die Transparenz und Farbigkeit, die stimmungsvollen und eindringlichen Melodien, aber auch die Gegensätzlichkeiten. Die sprühende Energie des „Et exsultavit“ packt mich genauso wie die ruhige, fast meditative Stimmung im „Et misericordia“… und dann „mein“  heissgeliebtes „Esurientes“… so schlicht, so fein und wunderschön!

So bin ich mit beiden Werken schon einige Jahre vertraut und lerne und erlebe sie immer wieder neu! Es ist spannend, wie sich solche Werke in meinem Innern wandeln, wie ich mit und an ihnen gewachsen bin. Immer wieder möchte ich sie neu erschaffen, die „Altlasten“ – „diä altä Chnörz“ – abwerfen und etwas Neues wagen, zulassen und offen sein für die Ideen des Dirigenten und meiner Mitmusiker. Hier möchte ich den Bogen zu meiner Zusammenarbeit mit Franz Schaffner und dem Bach Ensemble Luzern spannen.

Seit einigen Jahren habe ich immer wieder die Ehre und das Vergnügen, mit Dirigent Franz Schaffner und seinem Team zu singen. Ich schätze und bewundere die hochmusikalischen Fähigkeiten und die Professionalität von Franz enorm. Mit ihm und seinem Ensemble zu musizieren ist immer ein Fest! Ich spüre seinen Respekt gegenüber der Musik, aber auch gegenüber den Musikern. Dementsprechend gestaltet sich auch die Zusammenarbeit. Man begegnet sich in Offenheit und lässt dann zusammen in der Probe etwas entstehen, man lässt sich aufeinander ein und findet sich als Ganzes, als Einheit. Einerseits kann ich mich einbringen, geniesse künstlerische Freiheiten und meine musikalischen Ideen finden Gehör. Andererseits geht man aufeinander ein, verbindet sich und „zieht am gleichen Strick“. Und genau deshalb sind diese Konzerte mit Franz und dem Bach Ensemble Luzern immer grosse, beflügelnde und wohltuende Erlebnisse für mich – DANKE VON HERZEN!

Ich freue mich auf das Weihnachtskonzert mit euch allen im KKL mit diesen herrlichen Werken! Ich werde mit Herz, Leib und Seele singen und mich mit euch verbinden, damit wir alle zusammen ein ganzheitliches Medium für diese wunderbare Musik bilden – möge sie bei unserem Publikum ankommen und die Herzen berühren!

Barbara Erni

Franz Schaffner über das Weihnachtskonzert 2016 im KKL

Bach und Vivaldi führten mit bekannten und unbekannten Werken durch das zu Ende gehende Jahr 2016. Bach mit Kantaten, Vivaldi mit geistlichen Werken und Violinkonzerten. Auch mit letzteren ging die Reise durch die Jahreszeiten.

Nun, im Weihnachtskonzert, kommen sich Bach und Vivaldi noch näher: Gloria-Vertonungen und Violinkonzerte von beiden Komponisten erklingen im KKL.

Wunderbar passend zur Weihnachtszeit stehen die Gloria-Werke. „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen“ heisst es in der biblischen Weihnachtsgeschichte. In diesen Zusammenhang fügt sich auch das Magnificat, Mariens Lobgesang, ein: „Hoch preist meine Seel den Herrn, denn er hat Grosses an mir getan“. Zum richtigen Zeitpunkt spielt Dan Dodds mit uns auch den „Winter“ aus „Quattro stagioni“.

Da ergeben sich also viele stimmige Komponenten in diesem Programm. Es sind aber auch architektonische Elemente auszumachen: Das im KKL gespielte Vivaldi-Gloria – das sehr bekannte – spannt einen grossen Bogen zum anfangs Jahr erklungenen „Introduzione e Gloria“.

Das Weihnachtskonzert 2016 bildet einen harmonischen Abschluss des Jahres „Bach – Vivaldi – Dodds“. Für alle waren es Erlebnisse der besonderen Art. Gute Musik machen und musizieren mit dem begnadeten Geiger Daniel Dodds, waren höchst inspirierend und werden es auch im KKL sein.

Bachs Gloria-Kantate stellt gleichzeitig die Weichen zum nächsten Jahr. So wird im 2. Konzert 2017 das Gloria aus der h-Moll Messe wieder erkennbar sein.

Nun bleibt zu hoffen, dass ein so stimmiges Programm viele Zuhörer erreicht. Das KKL muss voll sein, wenn wir nicht in rote Zahlen rutschen wollen. Das ist ja immer wieder ein Kraftakt, an welchem so viele mitarbeiten, allen voran unser Idealisten aus dem Vorstand und andere Zugewandte. Möge ihnen die Mühe gelohnt werden.

Franz Schaffner

 

Weihnachtskonzert des Bach Ensemble Luzern

Sonntag,18.Dezember 2016, 19.30 Uhr im KKL Luzern, Konzertsaal

Johann Sebastian Bach:
BWV 191 Gloria
BWV 243 Magnificat

Antonio Vivaldi:
Gloria
Winter (aus den «Vier Jahreszeiten»)

Johann Sebastian Bach:
BWV 1042 Violinkonzert E-Dur

Daniel Dodds Violine
Barbara Zinniker Sopran
Barbara Erni Alt
Simon Witzig Tenor
Serafin Heusser Bass

Chor und Orchester
des Bach Ensemble Luzern

Franz Schaffner Leitung

Infos und Tickets: http://bachensembleluzern.ch

November-Konzert

Sonntag, 6. November 2016 um 17.00 Uhr in der Franziskanerkirche Luzern

Kammermusik von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach gespielt vom Quartett des Bach Ensemble Luzern

Mit einer leckeren Auswahl von kammermusikalischen Werken von Vivaldi und Bachstellen sie ausgewählte Sonaten von Vivaldi solchen von Bach gegenüber. Mit Sonaten für jedes Soloinstrument, für das Trio und die gesamte Quartett-Besetzungzeigt sich die ganze Palette voller wunderbarer Kammermusik, die in der kunstvollen Trio-Sonate aus dem “musikalischen Opfer” von Johann Sebastian Bach gipfelt.

Quartett des Bach Ensemble Luzern:
Gabriela Schüpfer, Flöte
Naomi Lozano-Tolksdorf, Violine
Jürg Eichenberger, Violoncello
Franz Schaffner, Orgel und Cembalo

Liebesbrief an Johann

Gastbeitrag von der Solistin Carmela Konrad:

Liebster J.S.

Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Langsam hast du dich in mein Herz geschlichen.

Damals, auf Dreilinden, neben all den Blumenvasen in der kleinen Abstellkammer im obersten Stockwerk.

Auf meinem Notenpult stand das Präludium in d-Moll, irgendwie kompliziert und sauschwer deine Werke auf Gitarre zu spielen. Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich dann diese Fugen auswendig gelernt habe. Meine musikalische Vorliebe war noch bei den Fugees, Warren G, Andrew Lloyd Webber oder Alan Menken, aber je mehr Musik ich von dir hörte, je mehr Werke ich von dir kennen gelernt und gesungen habe, desto stärker wurden die Gefühle.

An unsere erste Arie erinnere ich mich und habe die Kopien der Noten, inzwischen vergilbt und abgegriffen, aus sentimentalen Gründen immer noch aufgehoben.

„Quia respexit“ aus deinem Magnificat, es war wohl 1996, also noch in deinem Jahrtausend, da war der erste vokale Funke gesprungen. Ich hätte nie gedacht, dass es mich so erwischen würde.

…Und jetzt, 20 Jahre später lerne ich die Arie vom Konzert mit dem Bach Ensemble Luzern „Gedenk an uns mit deiner Liebe“ im Verzeichnis die 29. Wie unglaublich schön, wie aktuell und treffend.

Gibt es etwas schöneres, etwas größeres als die Liebe? Für mich ist sie das Höchste. Diese eine Stelle kreist in meinem Kopf. Du bringst meinen Körper zum Tanzen,

mein Herz vor Freude zum überlaufen, triffst mich tief und lässt mich weinen, lässt mich trauern. Du bist immer für mich da, spendest mir Hoffnung und Trost, begleitest mich in allen Lebenslagen. Der Tod, das Leben, deine Musik: Magie.

Du bist mir so nahe, J.S.

Du bist Teil von mir. Jeden Tag lerne ich von Dir. Es ist nicht immer einfach. Ich weiß, manchmal verstehe ich dich nicht auf Anhieb, stehe mir selber im Weg, aber du bleibst geduldig. Mein Fixstern.

Du schenkst mir Gefühle überfließender Freude, Erfülltheit und Eins Sein mit der Musik.

Du bist mir Inspiration für meine Malerei und deine Schaffenskraft ist mein Vorbild.

Mein erstes KKL Heimspiel hast du mir 2013 geschenkt: Dein Weihnachtsoratorium, gleich alle sechs Kantaten. Zusammen mit Franz Schaffner und dem Bach Ensemble… Was für eine schöne und prägende Erinnerung. Du nimmst mich mit auf Reisen, z.B. in die Philharmonie Berlin und München, oder nach Stuttgart (Dein Witz bei der Bauernkante auf unserem Video auf YouTube bringt mich immer wieder zum Lachen :).

Du zeigst mir wunderschöne Klöster, Kirchen und Konzertsäle und lässt mich die Welt mit glänzenderen Augen sehen.

Zeig mir die ganze Welt, ich folge dir.

Ich bin dir unendlich dankbar, Johann Sebastian Bach.

Danke dass ich deine Musik singen darf, deine Musik mit meinen Mitmenschen teilen darf. Deine Musik beseelt und (er)nährt mich.

Möge ich deinem Anspruch gerecht werden.

Ich liebe dich, J.S.

Danke, dass es deine Musik gibt.

In tiefer Verbundenheit,

Carmela