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Interview mit Franz Schaffner zum Weihnachtskonzert 2015 im KKL Luzern

Warum gibt das Bach Ensemble seit 15 Jahren jedes Jahr vor Weihnachten ein Konzert im KKL? Und warum sind diese Konzerte so beliebt?

Das Bach Ensemble hat ein eigenes Profil und geniesst eine verankerte Position im einheimischen musikalischen Schaffen Luzerns. Es hat im KKL die Möglichkeit, mehr als in kleineren Kirchenräumen, ein grosses Publikum zu erreichen. Der durchwegs positive Erfolg gibt dem Ensemble Recht. Die Zeit unmittelbar vor Weihnachten kommt der Musik, die das Ensemble hauptsächlich pflegt, durchaus entgegen. So ist daraus ein selbstgewählter kultureller Auftrag entstanden.

 

Am diesjährigen Weihnachtskonzert kommen zwei Kantaten, eine Motette sowie eine Orchestersuite von Bach und das Trompetenkonzert in Es-Dur von Joseph Hayden zur Aufführung. Aus welchem Grund haben Sie ausgerechnet diese Werke ausgewählt?

Das Programm ist gleichsam eine Zusammenfassung unseres Jahres. Wir haben uns wieder intensiv mit Kantaten von Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt. Dazu stand jeweils ein Trompetenkonzert auf dem Programm. Immanuel Richter hat diese Werke sehr klug gewählt: Sie haben eine Chronologie der Trompetenliteratur geschrieben

Die ausgewählten Werke geben auch einen Einblick in unser Schaffen, in unsere Repertoirepflege: Da ist Chorisches relativ stark gewichtet. Das Orchester soll auch ein bedeutendes Wort zu sagen haben. Und schliesslich bildet das Instrumentalkonzert, diesmal mit dem berühmten Trompetenkonzert von Joseph Haydn, den krönenden Abschluss unserer Reihe.

 

Man könnte Sich fragen, was die beiden Kantaten und die Motette  mit Weihnachten zu tun haben. 

Beide Kantaten sind für Weihnachten komponiert: BWV 40 „Dazu ist erschienen“ für den 2. Weihnachtstag, BWV 110 „Unser Mund sei voll Lachens“ für den ersten Weihnachtstag. Die Bestimmung der Motette „Singet dem Herr ein neues Lied“ ist nach wie vor nicht restlos geklärt. Ihre freudige Stimmung und ihre Ernsthaftigkeit ebenso sind aber für viele Anlässe vorstellbar. Genauso ist es mit dem Haydn-Konzert, dessen Festlichkeit und Feierlichkeit ganzjährig hält.

 

Passt liturgischer Musik überhaupt ins KKL?

 Liturgische Musik kann überall sein. Die festliche Atmosphäre des ganzen Programmes ist für die Salle Blanche wunderbar geeignet. Umgekehrt ist heute weltliche Musik in sakralen Räumen kein Tabu mehr.

 

Warum musiziert in diesem Jahr Immanuel Richter als „Artiste in résidence“ mit dem Bach Ensemble?

Wir haben 2012 mit dieser Idee angefangen, Mozarts Hornkonzerte während eines Jahres aufzuführen, immer mit demselben Solisten. Der zyklische Gedanke war dabei ein wichtiger. Das Konzept bewährte sich gut, sodass sich eine Fortsetzung der Idee aufdrängte, diesmal mit Trompetenkonzerten. Die hochbegabten Solisten vermitteln dem Publikum Ihre hohe Qualität des Musizierens, zudem sind sie immer eine Bereicherung für unser Ensemble.

 

Was steht in den nächsten Jahren auf dem Programm?

Die Programmierung mit Solokonzerten wird nächstes Jahr weitergeführt: Violinkonzerte von Antonio Vivaldi, gespielt durch den fabelhaften Daniel Dodds. Dies kombinieren wir mit Kantaten von Bach, und auch mit bekannten oder weniger bekannten Chorwerken von Vivaldi. Das ergibt wiederum ein geschlossenes Ganzes. Einige Werke von Bach bilden auch eine Brücke zum Jahr 2017, wo wieder ganz grosse Werke wie Johannespassion, h-Moll Messe und Weihnachtsoratorium auf den Programmen stehen.

 

Hört sich spannend an! Wir danken für das Interview und freuen uns auf einen krönenden Abschluss des Konzertjahres 2015 und wundervolle Konzerte im neuen Jahr.