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Das Bach Ensemble und Weihnachten im KKL

Ein Gastbeitrag von Vreni Scheidegger-Künzi

Als ehemalige Chor-Sängerin und Sekretärin des Bach Ensemble Luzern habe ich Gelegenheit erhalten, in meine Erinnerungen einzutauchen und Ihnen etwas zu erzählen.

Um die Jahrtausendwende brüteten wir anlässlich einer unserer Vorstandssitzungen, die damals noch bei Hanna und Franz Schaffner in der gemütlichen Wohnstube stattfanden, wieder einmal übers Thema Finanzen.   Unsere Konzerteinnahmen und die Mitgliederbeiträge reichten kaum mehr aus, um die oft defizitären Konzerte zu finanzieren. Wie also kamen wir zu mehr Einnahmen?   Neue Ideen wurden geäussert wie etwa mehr Sponsoren, bessere Plakatierung, Mund-zu-Mund-Werbung durch Chormitglieder, etc. Vieles wurde an diesem Abend diskutiert, wieder verworfen, bis … ja bis dann plötzlich unser damaliger Werbeverantwortliche Alfons Krieger fragte: Warum gehen wir nicht ins KKL? Ungläubiges Staunen, Seufzen und wenn und aber… Doch bei genauerem Hinsehen wussten wir, dass jeder Luzerner-Verein einmal pro Jahr Gelegenheit hat, den grossen Konzertsaal im KKL zu günstigeren Konditionen zu erhalten. Die anfängliche Skepsis verwandelte sich urplötzlich in eine grosse Euphorie. Wir waren alle Feuer und Flamme und wussten, dass es sich lohnt, diesen doch etwas riskanten Versuch zu wagen. Doch mit welchem Programm sollten wir auftreten? Für unseren einmaligen und begeisterungsfähigen Dirigenten Franz Schaffner war sofort klar, dass es das Weihnachtsoratorium sein sollte, welches bereits im Jahresprogramm eingeplant war. Wir hatten aber grossen Respekt, dieses Werk in seiner ganze Länge in einem Konzert zu musizieren. Uns so griffen wir zu einem besonderen Trick. Wir buchten das KKL für das Jahr 2000 am 16. Dezember um 19.30 Uhr und führten die Teile 1 bis 3 auf. Am 2. Januar 2001 spielten und sangen wir die Teile 4 bis 6. Wir hofften, auf diese Weise unsere Konzertbesucher zwei Mal bei uns zu haben und es sei hier vorweggenommen, unsere Rechnung ist aufgegangen.

Der damalige Präsident, Franz Fischer anerbot sich, die Konzertkarten kostenneutral für uns zu gestalten und zu drucken. Der Vorverkauf wurde über das Kulturforum, welches damals noch im Bourbaki-Panorama beheimatet war, abgewickelt. Der Versand aller Tickets wurde von uns selber erledigt. Dies alles, um möglichst wenig Kosten zu generieren. Sie glauben gar nicht, wie viele interessante Kontakte ich damals am Telefon und bei privaten Begegnungen knüpfen konnte in der Hoffnung, all diese Leute weiterhin fürs Bach Ensemble zu begeistern.

Es gab doch auch schlaflose Nächte, wenn ich wieder Auskunft geben musste über die Anzahl verkaufter Karten. Ob wir wohl den 4. Balkon öffnen sollten? Und wie wäre es mit der Chorempore? Dann war auch noch die Frage mit dem Tenue: Schwarz lang für die Damen, damals noch ohne Schal und bitte schwarze Strümpfe oder Socken und schwarze Schuhe. Für die Herren natürlich schwarzer Anzug, weisses Hemd und was alles dazu gehört.

Dann kam nach intensiver Probearbeit die erste Probe auf der grossen Bühne, die für uns alle die Bretter waren, die die Welt bedeuteten. Erstmals blickten wir von der Bühne in den grossen Saal und stellten uns vor, wie das wohl sein würde, wenn uns soooo viele Leute anschauen und etwas von uns hören möchten. Als die ersten Paukentöne erklangen, wurde auch dem letzten von uns bewusst, dass es nun ernst gilt. Aber was war bloss los? Wir hörten uns einfach nicht mehr gleich gut wie im kleinen Probesaal, wir schauten zu Franz und waren total verunsichert. Mit seiner ruhigen, dezidierten und klaren Art gelang es ihm, uns die Richtung zu weisen, in welche unsere Weihnachtsgeschichte gehen solle. Langsam aber sicher gewöhnten wir uns an die neue Umgebung, an die Techniker, die immer wieder etwas korrigierten, die Echokammern noch öffneten, an all das Neue und noch Unvertraute. Viele Unterbrüche wurden nötig bis wir zurückfanden zu unserer Vertrautheit im Chor, zu unserem Familiengefühl, welches massgebend war, damit wir begannen, uns auf die Aufführung zu freuen. Uebrigens – diese Gemeinsamkeit, dieses „Ensemble-Gefühl“ ist bis heute im Bach Ensemble spürbar und dafür dürfen wir Franz Schaffner gewaltig dankbar sein.

Der grosse Abend kam und wir sammelten all unsere Energie und unseren Mut, um ein schönes Konzert aufzuführen. Unsere Solisten waren damals Barbara Locher, Sopran, Liliane Zürcher, Alt, Cornel Frey, Tenor und Peter Brechbühler, Bass. Sie waren unsere Sterne an diesem Abend und wir wollten Franz Schaffner auch mit unserer Leistung als Chor zufrieden stellen. Der Einmarsch auf die Bühne klappte hervorragend. Das Gefühl, in die Menschenmenge zu schauen und zu wissen, dass wir alle für diese Menschen Musik machen dürfen, war einfach überwältigend. ich kann Ihnen nicht beschreiben wie es mir damals ging – das muss man erleben.

Die Pauken ertönten, wir begannen zu jauchzen und zu frohlocken und priesen die Tage, es war für mich einmalig und ich denke nicht nur für mich.

Die Kritik in der Presse war dann jedoch etwas verhalten. Das hatte zur Folge, dass Franz Schaffner für das Konzert vom 2. Januar, also für die Teile 4 bis 6 die Echokammern schliessen liess. Die Presse berichtete darauf: Das Bach Ensemble war nicht wiederzuerkennen, wie ausgewechselt. Und wirklich, es war hörbar viel besser als das erste Konzert – und auch wir waren wohl noch motivierter und wollten einfach zeigen, dass wir mehr können

Seither gastiert das Bach Ensemble regelmässig fürs Weihnachtskonzert im KKL. Der Erfolg hat uns damals Recht gegeben und das wunderschöne dunkelblaue Plakat, welches von unserem damaligen Verantwortlichen Armin Wey gestaltet wurde, hängt noch heute in meinem Zimmer. Im Jahr 2004 wurde das Weihnachtsoratorium wieder aufgeführt, diesmal als ganzes Werk , Teile 1- 6. Es war mein Abschiedskonzert als Chor-Sängerin. Seit dieser Zeit besuchen mein Mann und ich alle Konzerte des Bach Ensemble als Abonnenten und freuen uns natürlich immer besonders aufs Weihnachtskonzert im KKL.

Ich hoffe, wir sehen uns alle am kommenden 20. Dezember 2015 um 11.00 Uhr im KKL anlässlich des Weihnachtskonzertes des Bach Ensemble Luzern. Sie werden noch einmal Gelegenheit haben, herrliche Trompetenklänge von Joseph Haydn interpretiert von Immanuel Richter zu hören. Ferner erklingen die Kantaten BWV 40, Dazu ist erschienen, BWV 225, Motette Singet dem Herrn und BWV 110 Unser Mund sei voll Lachens, sowie die Orchestersuite BWV 1069 Nr. 4 D-Dur. Seien Sie gewiss, es wird einmal mehr ein unvergessliches Erlebnis und eine festliche Einstimmung in die Weihnachtstage.

Wir sehen uns

Vreni Scheidegger-Künzi