Barbara Böhi

Barbara Böhi über Bach und den Atem

‚Lass der Spötter Zungen schmähen!’. Oh, wie wird sie gefordert meine Zunge, beim Singen dieser Arie! Ich liebe es, wenn Bach wild und dramatisch wird. Dann wird die Sprache zum perkussiven Element. Wunderschön, wenn dann weiche Phrasen folgen wie: ‚dass wir Jesum werden sehen auf den Wolken in den Höhen’. Klar, dass Bach die Stimme an dieser Stelle in die Höhe jagt und das gleich in einem riesigen Intervall und in hohem Tempo. Blitzschnelles umstellen vom wilden Schmähen zu den zarten Wolken sind gefragt.

Diese Arie wird von einer Sologeige virtuos umspielt. Das bedeutet für die Solostimme, dass sie sich keine Zeit für Atempausen nehmen kann. Ja, der Atem bei Bach! Ich stelle mir den Johann Sebastian vor, wie er über dieser Arie sass und die Feder über das Blatt flog. Leider nahm er keine Rücksicht darauf, dass ein Sänger auch einmal atmen sollte. Schade, war er nicht in Italien, wie sein Kollege Telemann; der hat dort in der damaligen Sängerhochburg nachweislich gelernt, wie man für Sänger schreibt.

Aber was schreibe ich da, das würde ja bedeuten, dass Bach diese Arie anders hätte schreiben müssen und das wäre ein Jammer, denn jede Note sitzt am richtigen Ort! Ich freue mich darauf, diese Arie mit Franz und seinem eingeschworenen Ensemble zu musizieren. Denn ich bin überzeugt, dass er diese Arie genauso spürt.

Diese Arie ist ein Wurf und das mit dem Atem kriege ich schon hin…

Barbara Böhi