BWV 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“

In unmittelbarer zeitlicher Nachbarschaft, nämlich gut drei Wochen früher als BWV 105, wurde „Herz und Mund“ zum ersten Mal aufgeführt: am 2. Juli 1723. Bach hatte dafür bereits Vorarbeit geleistet, denn er konnte auf eine sechssätzige Komposition zurückgreifen, die er früher in Weimar komponiert hatte. Damals war aber noch nicht der Satz mit dem berühmten „Jesus bleibet meine Freude“ vorhanden. Um diesen „Wurf“ und andere Sätze erweiterte nun Bach die Kantate zu einer zweiteiligen Anlage mit zehn Nummern: der erste Teil wurde vor der Predigt, der zweite danach musiziert. In Verlauf der zehn Nummern reizt Bach die ganze Palette der barocken Besetzungsmöglichkeiten aus: Von Kammermusik bis zur Tuttibesetzung ist alles vorhanden.

Wenn schon in der eingangs besprochenen Kantate BWV 105 die Bedeutung der Zahlen in Zentrum rückte, kann man hier getrost mit Beispielen weiterfahren: Der 3. Satz ist eine Alt-Arie mit dem Text „Schä(h)me dich, o Seele nicht“. Zusammen mit dem eingeklammerten, damals gebräuchlichen h bei „schäme“ ergeben die Buchstaben im Zahlenalphabet addiert 197. Genauso viele Töne singt die Altstimme.

Im 5. Satz sind 50 Takte zu zählen. Die Zahl 5 steht für den Menschen mit seinen 5 Fingern, auch für die 5 Wunden Jesu am Kreuz. Von der Hinwendung Jesu zum Menschen ist hier die Rede und kann mit der Zahl 5 einleuchtend in Verbindung gebracht werden.

In ähnlicher Art ist die Zahl 3, hier dreimal drei im Zusammenhang mit „des Höchsten Allmacht“ zu sehen. Wenn es um Dreifaltigkeit Gottes geht, ist bei Bach immer wieder die 3×3 anzutreffen. Das Accompagnato-Rezitativ des Alt „Des Höchsten Allmacht“ hat 27 Takte (3x3x3).

Und zum Schluss ein weiteres Zahlenspiel: Die zu den schönsten Melodien gehörende „Jesus bleibet meine Freude, meines Herzens Trost und Safft“ (2 f bei Bach).

Dieser hier zitierte Textanfang des Chorals hat zusammengezählt die Summe 569. Diese Zahl entspricht den Noten, die die ersten Violinen spielen.

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