gloor

Bescheidenheit gegenüber der Unvergänglichkeit

Gastbeitrag unseres Solisten Valentin Johannes Gloor:

Wie kann es sein, dass uns Johann Sebastian Bachs Musik nach fast dreihundert Jahren noch immer etwas mitzuteilen hat? Wenn ich mir überlege, welche meiner eigenen Handlungen in dreihundert Jahren wohl noch irgendeine Resonanz haben wird (Antwort: keine einzige), bleibt in mir nur ein grosses Staunen über diesen längst verstorbenen Komponisten und seine Werke. So viel Existenz ist in diesen Werken, so viel Geist. Da kann und will ich einfach nur bescheiden sein. Und letztlich – immer öfter komme ich zu diesem Schluss – ist es doch ein unglaubliches Geschenk und Privileg, sich als Musiker, als Sänger mit dieser grossartigen Musik beschäftigen zu können, ja zu dürfen. Dabei macht es uns Bach keineswegs „einfach“. Er fordert einiges und manchmal alles von uns, bevor er uns beschenkt. Aber wie nach langen Wanderungen gilt auch hier: Je mehr man sich eingesetzt hat, desto grösser ist der Genuss auf dem Gipfel.

Wenige schaffen es wie Franz Schaffner, sich so konzentriert und doch zugleich entspannt und inspirierend diesem Meister anzunähern. Das ist es reine Freude für die Mitmusizierenden und für das Publikum.

Mit Bachs H-moll-Messe steht mindestens ein Viertausender an. Welch ein Genuss wird das sein!

Valentin Johannes Gloor