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Grosses von Bach, nächste Folge: Credo, Sanctus und Benedictus, Agnus Dei

Die zweite Hälfte der h-Moll Messe steht an. Ein überwiegender Anteil an Chornummern ist hier komponiert: Von den 16 Sätzen sind deren 12 dem Chor zugewiesen. Die Musik selbst präsentiert sich in vielfältigsten Schattierungen. Meditatives mit absteigenden Linien bei „Et incarnatus est“ etwa, Seufzermotive bei „Crucifixus“, Triumphales in der Auferstehungsmusik „Et resurrexit“.

Ganz zu schweigen von den hintergründlichen symbolischen Zeichen, mit denen Bach seine Musik immer wieder durchsetzt. Ein Beispiel, der Satz „Crucifixus“. Der viertaktige Gang in den Bässen wiederholt sich 13 Mal, was bedeuten mag „jetzt schlägt’s dreizehn“.

Die dazu gehörende Textstelle im Credo heisst „gelitten unter Pontius Pilatus, gestorben und begraben“.

Es wird öfter in Frage gestellt, ob Bach die verblüffenden Sachen mit den Zahlen bewusst miteinbezogen habe, oder ob hier nicht persönliche Fantasie gelegentlich durchbrenne.

Eine klare Antwort gibt Bach selbst: Nach dem Schlusstakt des zweiten Credo-Satzes (Patrem omnipotentem) steht von Bachs Hand die Zahl 84. So etwas erscheint sonst nirgends in seinen Manuskripten. Bach hat hier bewusst 84 Takte komponiert. 84 ist das Produkt aus 7 x 12. 7 ist die heilige Zahl, 12 ist wiederum aus 4 x 3 zusammengesetzt. Vier steht für das Irdische, Drei für das Göttliche. „Ich glaube…..an den allmächtigen Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat“.

Das Thema gibt noch viel her, man läuft Gefahr, auszuschweifen. Das lasse ich hier mal.

Ein paar Warte aber doch noch zum Sanctus der Messe.

In diesem Teil wird die Dreifaltigkeit verherrlicht.

Somit hat die Drei eine wichtige Rolle als Symbol, hier aufgelistet:

  • Der Chor ist zweigeteilt in je drei Stimmen.
  • Der dreistimmige Trompetensatz überstrahlt den Gesamtklang.
  • Der Triolen-Rhythmus dominiert den ganzen Satz.
  • Im einzigen Satz der ganzen Messe sind drei Oboen verlangt.
  • Die Pauke spielt bei jedem Einsatz immer sechs, also 2×3 Töne.
  • Die Bass-Instrumente spielen fast durchwegs Oktavsprünge von oben nach unten, meist auch in Drei-Taktgruppen. die Oktave, weil sie alle Töne einer Skala umspannt, bedeutet auch hier, wie so oft bei Bach: die textliche Aussage gilt umfassend für die ganze Welt.

Staunen immer wieder über so viel Aussage einer Musik, die über ihre Töne weit hinausgeht!

Franz Schaffner