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Grosses von Bach

Das ist heuer beileibe eine „Auswahlsendung“. Zweifellos trifft dieser Ausdruck auf die gewählten Werke zu. Aber es gäbe noch viel anderes Grosses von Bach…

Kleine Rückschau: 2011 war die h-Moll Messe das ganze Jahr gegenwärtig. Kombiniert mit Kantaten, aus welchen Bach Sätze für die grosse Messevertonung adaptierte, beschäftigte uns dieses Monumentalwerk ein Jahr lang, um es am Ende im KKL als Ganzes aufzuführen. Da hat allen viel Gewinn gebracht. Aber auch Fragezeichen bleiben zurück: h-Moll Messe und Weihnachten? Warum h-Moll Messe nicht im sakralen Raum?

2017 kommen wir diesen Anregungen entgegen. Wir konzipieren anders, und diesmal spielen wir in der Kirche. Das grosse Werk diesmal zweizuteilen rechtfertigt sich dadurch, dass sich die Entstehung durch Bach ebenfalls über eine lange Zeit verteilt hat.

Obs dann gut war, wird sich nach den Aufführungen zeigen. Aber ich bin da optimistisch.

Also: zuerst im Juni-Konzert die grossen Blöcke Kyrie und Gloria, die ungefähr die Hälfte der ganzen Messevertonung ausmachen.

Was alles in diesem Kyrie und Gloria eingepackt ist, kann in diesem Rahmen nur bruchstückweise erwähnt werden. Kyrie 1: Chromatik pur und ausgedehnt. So wird das Erbarmen grossräumig angerufen. Christe: in D-Dur als Duett strahlt Heiterkeit aus. Kyrie 2: in fis-Moll, komponiert im alten Stil, so wie Generationen vor Bach komponiert haben. Heisst also: Die Bitte um Erbarmen ist uralt. Die Zusammengehörigkeit der drei Sätze wird auch tonartlich unterstrichen: h-Moll, D-Dur und fis-Moll bilden einen Dreiklang, was wiederum klar auf die Dreifaltigkeit hindeutet. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind angerufen.

Gloria: natürlich ein festlicher und tänzerischer Anfangssatz im Dreiertakt (hat wieder mit Trinität zu tun), mündet dann in einen Vierertakt. „Friede auf Erden“ (Vier ist die Zahl des Irdischen) wird hier vertont.

In dieser Weise könnte ich weiter erzählen. Aber ich lasse es mal bei diesen Andeutungen. Die folgenden Sätze sind alle einfach wunderbare Musik. Man muss nicht alle hintergründlichen Details wissen, um diese Musik geniessen zu können. Sie nimmt einen in den Bann. So erwähne ich nur noch den zweitletzten Satz (Quoniam tu solus sanctus), der von seiner Besetzung her einzigartig ist: Ein corno da caccia und zwei Fagotte bilden das Klangbild und musizieren mit dem Bass-Solisten „Du allein bist der Heilige“.

Das Einzigartige an dieser Aussage wird hier klanglich abgebildet. Kein zweites Mal hat Bach auf eine gleiche Besetzung zurückgegriffen. Und wie genial dieser Satz lückenlos in den Schlussjubel mit dem Chor mündet!

Passend überdies die populäre Orchestersuite in h-Moll, die dem ersten Messeblock hier vorangestellt wird. Die zweite, ebenso populäre Suite, folgt dann im September.

Beide Suiten passen gut zur Messevertonung, sie haben Hit-Charakter und vermitteln einer breiten Zuhörerschaft den ersehnten Wiedererkennungseffekt.

Zu guter Letzt: Zum zweiten Mal präsentieren wir in der Juni-Aufführung junge Solisten, die direkt vor oder nach ihrem Masterabschluss stehen oder diesen schon absolviert haben. Wir freuen uns, mit diesen hoch-qualifizierten Stimmen zusammen zu musizieren, und wissen, dass auch sie sich freuen.

Franz Schaffner